Ein Rückblick auf 15 Jahre sozialinfo.ch

Juni 2018

Als sozialinfo.ch vor gut 15 Jahren online ging, war die Zukunft des Stellenportals alles andere als gewiss. Knappe Finanzen, Konkurrenz von verschiedener Seite und eine sich wandelnde Gesellschaft waren nur ein paar der vielen täglichen Herausforderungen. Dank viel Umsicht und dem Mut, Risiken einzugehen, hat sich sozialinfo.ch als Nischenportal etabliert. Die Geschäftsleiterin Barbara Beringer und der scheidende Präsident des Vorstands Manfred Seiler blicken im Interview auf die letzten 15 Jahre zurück.

«Immer an die Idee geglaubt» - Interview mit Barbara Beringer

Barbara Beringer, wie kamen Sie auf die Idee, als Abschlussarbeit zur  Web Projekt Managerin einen Businessplan zur Rettung von sozialinfo.ch zu verfassen?
Ich war bereits beim Aufbau der sozialinfo.ch GmbH dabei und kannte die Herausforderungen und Chancen der Idee sehr gut. Zudem kannte ich die Realitäten der damaligen IT und die Bedürfnisse des Sozialbereichs. Die sogenannte Internetblase führte in dieser Zeit zu vielen Konkursen und Börsenverlusten. Meine Herausforderung beim Businessplan für sozialinfo.ch bestand darin, eine gute Idee, an welche ich persönlich sehr stark glaube, den interessierten Zielgruppen näherzubringen und ein Geschäftsmodell zur Finanzierung dieser Idee zu entwickeln. Dies schien mir nur durch den Einbezug der Basis, also der Sozialen Institutionen, möglich. Daher entwickelte ich ein Meccano für den Verkauf von Dienstleistungen auf der Basis eines mitgliederbasierten Vereins.

Als Sie die Arbeit verfassten, haben Sie sich vorstellen können, dass Sie dereinst das 15-jährige Jubiläum von sozialinfo.ch als Geschäftsleiterin  feiern dürfen?
Intuitiv habe ich immer an die Idee geglaubt und diese mit meinem ganzen persönlichen Engagement unterstützt. In den Anfangszeiten wussten wir nie, wann wir den Betrieb aus finanziellen Gründen wieder schliessen mussten. Deshalb habe ich in kurzen Zeitetappen funktioniert; in der ersten Zeit von einem Monat auf den andern, dann wurden die Zeitetappen immer länger. Als Unternehmerin musste ich auch immer wieder Risiken eingehen. Nein, ich habe mir damals nicht vorstellen können, wo wir heute stehen würden, und wenn ich zurückschaue, muss ich sagen, dass wir viel geleistet haben. 

Gab es Momente, in denen Sie an Aufgeben dachten?
Die finanzielle Situation beim Start war nicht einfach, und war über eine gewisse Zeit hinweg nicht klar, ob wir überleben würden. Ideell war ich immer überzeugt von der Idee und dem Potential von sozialinfo.ch. Manchmal kam es mir so vor, als sei sozialinfo.ch neben meinen beiden Kindern das dritte Kind. Und wie bei Kindern kommt es in schwierigen Momenten nicht infrage, einfach so aufzugeben. Nein, ich habe nie ans aufgeben gedacht.

Was war aus Ihrer Sicht der schönste Moment der letzten 15 Jahre?
Es gab viele schöne Momente: die ersten finanziellen Zuwendungen im Gründungsjahr von Sozialarbeitenden, die Zufriedenheit der Sozialen Institutionen mit unseren Tools und die Unterstützung der Mitarbeitenden und des Vorstandes. Es waren viele kleinere und grössere aufbauende Momente.

«Heute ist es eine grosse Herausforderung, neben den grossen Stellenmärkten zu bestehen»

Barbara Beringer

Und der schwierigste?
Meine Sorge um unsere wichtigste Dienstleistung, den Stellenmarkt, erwuchs uns doch von verschiedener Seite immer wieder Konkurrenz. Heute ist es eine grosse  Herausforderung, neben den grossen Stellenmärkten zu bestehen, und ich hoffe sehr, dass uns dies gemeinsam mit unseren Mitgliedern und Kunden gelingen wird. Ein schwieriger Moment war der Entscheid für die Schliessung der sozialpersonal ag, in welcher ich viel Potential sah. Der Markt hat mir gezeigt, dass dieses Potential nicht da oder noch nicht erkannt worden war.

Wo sehen Sie die grössten Herausforderungen für sozialinfo.ch in den kommenden Jahren?
Die Digitalisierung wird uns gesellschaftlich verändern. Dabei gibt es wie bei jeder Neuerung positive und negative Auswirkungen. Seitens der Wirtschaft und Politik werden vor allem die positiven Auswirkungen gepriesen. Folgeprobleme der Digitalisierung, welche für die Soziale Arbeit von Bedeutung sein könnten, werden kaum erwähnt. Dabei sehe ich vor allem den Wegfall von Nischenarbeitsplätzen und Hilfsarbeiterjobs, die Zuwanderung und die Ausbildungs-, Integrations- und Sprachfähigkeit der Klienten wie auch den Spar- und Legitimationsdruck der Sozialen Institutionen. Es ist davon auszugehen, dass die Digitalisierung den Graben zwischen Armen und Reichen grösser macht. Als Sozialarbeiterin und Geschäftsleiterin von sozialinfo.ch lässt mich dies nicht kalt.

Wo steht sozialinfo.ch in 15 Jahren?
Das ist eine schwierige Frage, da wir uns in einem äusserst lebhaften Umfeld befinden. Aber meine Vision ist, dass sozialinfo.ch die Bedürfnisse der Sozialen Institutionen abdeckt, etwa bei der Dokumentation von Fachfragen, bei der Rekrutierung von Personal oder bei der Beratung der Institutionen in ihren Arbeitsabläufen. Weiter möchte sozialinfo.ch aber auch der Gesellschaft, den Betroffenen und der Politik bei Fachfragen zur Verfügung stehen und nach aussen eine sachliche und verlässliche  Informationspolitik betreiben. 


Mit Kontinuität zum Erfolg - Interview mit Manfred Seiler

Dank viel Umsicht und dem Festhalten an sozialen Werten sei es sozialinfo.ch gelungen, sich stetig weiterzuentwickeln und Mehrwerte zu schaffen, sagt Manfred Seiler, scheidender Präsident des Vorstands von sozialinfo.ch im Interview.

Manfred Seiler, mit welchen drei Worten würden Sie sozialinfo.ch beschreiben? 
Sozialinfo ist geerdet, umsichtig und seriös. Wir haben die kontinuierliche Entwicklung in einem zunehmend dynamisierten Geschäftsfeld stets aus eigenen Mitteln finanziert. Unsere Visionen und Ziele vermochten wir stets konkret in attraktive Leistungen umzusetzen. Das Web bietet – und fordert zugleich – eine unglaubliche Fülle an Leistungen, und die Innovationsgeschwindigkeit ist sehr hoch. Als kleiner Mitbewerber im Feld von Riesen haben wir unsere Ressourcen in Form von engagierten Menschen, Wissen und Können und finanziellen Mitteln stets umsichtig und effektiv eingesetzt. Wir schaffen es immer wieder aufs Neue für unsere Kundinnen und Kunden einen konkreten Mehrwert zu erzeugen. Und wir sind den Werten Sozialer Arbeit verpflichtet und bewegen uns damit in einem vielfältigen Spannungsfeld, inhaltlich, technisch und wirtschaftlich. Dazu führen wir die Auseinandersetzungen, damit wir unsere Verpflichtung in Leistungen umsetzen können. Und das macht sozialinfo.ch vertrauenswürdig.

Waren Sie zuversichtlich, als Barbara Beringer sich mit ihrer Abschlussarbeit der Rettung von sozialinfo.ch annahm?
Ja! Mich hat der persönliche Einsatz von Barbara Beringer stets beeindruckt. Ich hatte Vertrauen, dass sie eine zukunftsweisende Idee in konkrete Leistungen umsetzen kann. Dieses Vertrauen habe ich auch heute noch. Die Idee, dass Sozialarbeitende die Entwicklung des Internets für und mit der Sozialen Arbeit mitgestalten sollen, hat Barbara Beringer überzeugend mit Leben gefüllt.

Wo sehen Sie die grössten Erfolge?
Die Kontinuität mit welcher das Stellenportal im Markt zur Nummer 1 entwickelt wurde, ist für mich der grösste Erfolg. Die Auszeichnung des Handelsblatts als «bester Personaldienstleister» macht dies sehr deutlich. Ein weiterer Erfolg ist die Weiterentwicklung der ursprünglichen Idee, dass Wissen von Sozialarbeitenden aus der Praxis breit verfügbar gemacht werden soll. Besonders konkret sichtbar wurde das für mich, als ich die Präsentation von sozialinfo.ch in den News der Mediothek an der Fachhochschule las. Auch die Resonanz des Informationsangebots zeigt, dass sozialinfo.ch breit wahrgenommen wird. Als Erfolg werte ich auch den Aufbau und den Betrieb der Expertenforen. Mit diesen Foren ist es gelungen, ein grosses Engagement von Fachpersonen zu mobilisieren. Und eine Erfolgsgeschichte ist für mich das Zusammenwirken von Geschäftsstelle und Verein. Zu Beginn hiess der Verein Förderverein. Der Name ist aus meiner Sicht zum gelebten Programm geworden. In diesem Zusammenwirken aller Beteiligten ist es gelungen, eine Kultur zu schaffen, in der die ursprüngliche Idee die zur Gründung von sozialinfo.ch führte kontinuierlich und erfolgreich gefördert und umgesetzt werden konnte. Ein Eckstein dieser Entwicklung ist der erste Strategie-Prozess an dem sich Vorstand, Geschäftsleiterin und Mitarbeitende gemeinsam beteiligten. Die so geschaffene Strategie 2010 bewährte sich als tragende Struktur für die Entwicklung der Dienstleistungen und der Organisation in einer starken Wachstumsphase von der kleinen Pionier- zur professionellen Dienstleistungsorganisation.    

«Mich hat der persönliche Einsatz von Barbara Beringer stets beeindruckt.»

Manfred Seiler

Was waren rückblickend die schwierigsten Momente in der Geschichte von sozialinfo.ch?
Die schwierigsten Momente erlebte ich in der Zeit als Barbara Beringer sich wegen ihrer gesundheitlichen Situation zeitweise aus dem Tagesgeschäft  zurückziehen musste. Zugleich zeigte sich in dieser Zeit auch, wie tragfähig die Mitarbeitenden in der Geschäftsstelle waren und mit welchem grossen Einsatz sie in dieser Zeit den Betrieb gewährleistet haben. In diese Zeitspanne fiel auch der Entscheid, die Aktivitäten von sozialpersonal ag einzustellen. Das Entscheiden und das Umsetzen forderte von allen Beteiligten viel Bereitschaft zur offenen Auseinandersetzung. Und auch hier zeigte sich, wie tragfähig alle Beteiligten in dieser Kooperation bei der Umsetzung der Entscheidungen waren. Barbara Beringer hat sich selbst in ihrer schwierigen gesundheitlichen Situation verantwortungsvoll eingebracht und diesen Prozess mitgestaltet und mitgetragen.

Sie geben das Präsidium des Vorstands von sozialinfo.ch ab. Wie werden Sie die Entwicklung von sozialinfo.ch weiterverfolgen?
Darüber habe ich mir noch gar keine Gedanken gemacht. Sicher werde ich die Entwicklung in den Leistungen des Bereichs «Informationsmanagement» verfolgen, konkret also das was auf der Webseite unter «Aktuell» aufgeschaltet ist. Ich bin interessiert zu erfahren, wie sich sozialinfo.ch in der Wissenslandschaft weiter vernetzt und was daraus entsteht.

Was wünschen Sie dem Verein für die Zukunft?
Dem Verein wünsche ich, dass er einen Rahmen schafft, um die Entwicklung der Sozialen Arbeit mit wertvollen Leistungen mitzugestalten. Damit verbunden ist der Wunsch, dass die Werte der Sozialen Arbeit immer wieder der Zeit gemäss gelebt werden: sozialinfo.ch möge von, mit und für Sozialarbeitende ein Schaufenster sein, das Entwicklungen im Sozialbereich mitgestaltet.